Swissonic MDR-2 – Vorstellung

November 8th, 2008 | Tags: , , ,

Jahrelang habe ich Musikaufzeichnungen von gemeinsamen Sessions mit meinen Musikerfreunden in Augsburg oder von mir selbst mit meinem G-Flash MP3-Player aufgenommen, der allerdings von der Qualität her eher ein besseres Diktiergerät war. Die Aufzeichnungen hatten immer einen Gleichstromanteil und bei der Aufzeichnung selbst wurden digitale Störgeräusche mit aufgezeichnet. Aus diesem Grund habe ich nun beschlossen, dass etwas besseres her muss: Der swissonic MDR-2 vom Musikhaus Thomann.

Swissonic MDR-2 Front

Swissonic MDR-2 Front

Eindruck und Verarbeitung

Zunächst ist einmal zu sagen, dass das Gerät relativ groß ist. Es ist so groß, dass man es nicht, wie ein Diktiergerät oder einen MP3-Player, mal eben so mit in der Jackentasche dabei hat. Es ist auch deutlich größer, als die jüngeren Aufzeichnungsgeräte der Konkurrenz. Das Gehäuse ist aus einem harten und scheinbar recht stabilen Kunststoff, sieht aber billig aus. Die Bezeichnung der Schalter ist mit Aufklebern gekennzeichnet, was eigentlich nicht notwendig wäre. Man könnte sich das ganze Gerät auch ein einem Gehäuse vorstellen, was nur die Breite des oben gezeichneten Mittelteils hätte. Aber es ist, wie es ist.

Die Knöpfe sind in Vertiefungen des Gerätes eingelassen, was deren Bedienung nicht erleichtert. Überhaupt hat man oft ein unsicheres Gefühl, ob das Gerät schon das tut, was man will, da es mit einer geringen Verzögerung die Dinge in die Tat umsetzt, die man vorhat. Das Display ist ein ungleichmäßig hinterleuchtetes spezielles Display, welches nicht wie z.B. bei heutigen Handys die freie Darstellung auf einem gerasterten Computerdisplay erlaubt. Das Gerät hat einen kleinen eingebauten Monolautsprecher und nach vorne zwei eingebaute Kondensatormikrofone.

Auf der rechten Geräteseite findet man Mini-USB-Buchse, SD-Kartenleser und Line-out. Links ist der Kopfhöreranschluss und drei gut handhabbare Schiebeschalter für Auswahl der Audioquelle, Mikorofon-Level und eine Tastensperre. An der Stirnseite nach vorne findet man zwei 6,3 mm Klinkenbuchsen als Eingänge für externe Mikrofone oder Gitarre, sowie zwei Regler um den Eingangslevel für externe oder interne Mikrofone zu justieren. Diese sind gut zugänglich und bedienbar, allerdings rein analog – der eingestellte Level lässt sich dank minimaler Markierung auf den Drehreglern nur schwer ablesen bzw. kontrollieren, gerade im Halbdunkel.

Grundeinstellung des Gerätes

Die mitgeliefert Anleitung ist ausschließlich in englischer Sprache verfasst – für mich kein Problem. Eine deutsche Anleitung gibt es allerdings bei Thomann als Download. Die Bedienelemente sind maximal doppelt belegt und nach Lesen der Anleitung relativ einfach und intuitiv zu bedienen. Da das Gerät nicht in Features erstickt, was ich persönlich schätze, ist man immer relativ schnell da, wo man hin möchte. Hier sind die ganzen kleinen Schalter und noch “begreifbaren” Drehregler sicherlich ein Vorteil. Man muss sich nicht durch unendliche Menübäume hangeln, ehe man eine bestimmte Einstellung getätigt hat.

Nach einem längeren Druck auf die Mitte des Steuerkreuzes lädt das Gerät und braucht ca. 8-10 Sekunden, bis es eingeschaltet und verfügbar ist. Ausschalten geht genau so, nur schneller. Möchte man eine Einstellung ändern, drückt man den Menü-Knopf. Man hat nun vier Einstellmöglichkeiten, die man mit den Tasten “rechts” und “links” anwählen kann und mit “auf” und “ab” einstellen kann. Dies wäre

  • die Auswahl zwischen MP3- und WAV-Aufzeichnung,
  • die Samplefrequenz (44,1 khz fix bei MP3, 8, 11,16, 22, 32 und 44,1 khz bei WAV)
  • die Möglichkeit die Wiederholung von abzuspielenden Tracks zu aktivieren (Loop)
  • und die Einstellung der Dauer der Hintergrundbeleuchtung

Es gibt noch weitere Funktionen, wie das Verwalten von Tracks in Gruppen und verschiedenen Ordnern, die aber für mich vollkommen unwesentlich sind. Ich bin mit dem Teil nicht Wochen unterwegs. Ebenso brauche ich das Gerät nicht als MP3-Player zu gebrauchen, da gibts Schlankeres.

Aufnahme

Mit dem Drücken der REC-Taste startet man eine neue Aufnahme, welche eine fortlaufende Track-Nummer zugeordnet bekommt und immer im “Folder 1″ landet. Stoppen tut man die Aufnahme mit der STOP-Taste. Den Aufnahmepegel stellt man mit den beiden “Hörnchen”, den Drehreglern an der Frontseite des Gerätes ein. Das Gerät hat keinen Limiter – wenn man also den Eingangslevel zu stark gesetzt hat, ist die Aufnahme unabänderlich verzerrt durch Übersteuerung.

Das Gerät hat 128 KB eingebauten Flash-Speicher, was einem aber bei heutigen Preisen für SD-Karten nicht mehr stören sollte. Legt man eine SD-Card ein, wird diese zunächst für die Aufnahmen verwendet, was man allerdings gegenüber anders lautenden Aussagen im Web umschalten kann (aber wozu?)

Externe Aufnahmequellen

Für die Aufnahme werden zunächst die internen Mikrofone verwendet. Steckt man über die beiden 6,3 mm Klinkenbuchsen externe Mikrofone oder Gitarren an, so kann man über einen seitlichen Schalter diese Wahl einstellen und so den korrekten Grundpegel wählen. Entgegen anderslautenden Berichten, kann man an einem weiteren seitlichen Schalter wählen, wie man die externen Mikrofone ggf. zusammen mit den internen mischen möchte. Hier gibt es allerdings nur drei Einstellungen: stark, schwach oder gar nicht (nur extern). Externe Kondensatormikrofone werden mit 1,5 V Strom versorgt.

Dem Gerät liegen zwei Mikrofone mit relativ langen Kabeln und kleinen Klipsen bei, die nach ersten Versuchen meinerseit eine bessere Aufnahmequalität erreichen, als die internen Mikrofone. Natürlich lassen sich mit etwas weiter auseinanderstehenden externen Mikrofonen auch bessere räumliche Effekte bei der Aufnahme realisieren.

Aufnahmequalität

Die Aufnahme ist klar und, soweit mit meinen Ohren wahrnehmbar, frei von digitalen Störgeräuschen. Die Amplitude ist mittig (kein Gleichstromanteil). Ich habe einige Testaufnahmen mit meiner Concertina gemacht, wobei das Aufnahmegerät ca. 50 cm entfernt war und die Einstellregler für den Pegel ca. zu 3/4 aufgedreht waren.

Ein Hör-Vergleich zwischen internen und externen Mikrofonen ergab, dass die externen Mikrofone bei quasi gleichen Aufnahmebedingungen nicht nur einen besseren räumlichen Eindruck ergaben, da man diese eben in größerem Abstand platzieren kann, sondern auch eine bessere Qualität. Die internen Mikrofone klingen nicht wirklich schlecht, aber doch irgendwie im Vergleich gedämpfter und weiter weg. Auf jeden Fall erzielen beide Aufnahmemethoden wesentlich bessere Ergebnisse, als mein bisheriger MP3-Player.

Batterielaufzeit

Das Gerät kann mit Batterie oder Akkus betrieben werden, was sich über einen kleinen und relativ schlecht zu bedienenden Schalter im Inneren des Batteriefachs umschalten lässt. Die Betriebsdauer von fünf Stunden bei Aufnahme ist nicht berauschend – meinen MP3-Player habe ich teilweise einen ganzen Tag mit einer einzigen AA-Batterie betrieben. Bei der Verwendung von Akkus wird die Dauer sicherlich nicht steigen. Will mann allerdings für einen Abend aufnehmen oder zuhause, ist das alles kein Problem. Das Gerät kann sogar über USB mit Strom versorgt werden – allerdings nicht die Akkus geladen werden.

Technische Daten

  • WAV (16.bit) Sample Rate 8, 11, 22, 32, 44.1KHz
  • MP3 128Kbs
  • Stereo Aufnahme auf internen 128 MB Flash Speicher (bis zu 2 Stunden MP3-Aufnahme)
  • Stereo Aufnahme auf separate SD Card (16MB-2GB) und SDHC Memory Card (4GB)
  • FAT32 für SD-Karten
  • S/N ratio 55dB
  • Frequenz 20-20.000 Hz
  • eingebautes Stereo Kondensator Mikrofon
  • 2 x 6,3mm Klinke Input (L+R) für externe Mikrofone oder Gitarren- und Line-In-Signale
  • Plug-In-Power 1,5Volt
  • 3,5 mm Miniklinke Output für Kopfhörer
  • 3,5 mm Miniklinke Lineout
  • eingebauter Minilautsprecher 0,2 Watt, 8 Ohm
  • USB-Anschluß für Datenübertragung zum Rechner Mini-B-Type (USB 2.0)
  • benötigt für den mobilen Betrieb zwei handelsübliche (Mignon) Typ AA-Batterien (bis zu 5h Aufnahme oder 6h Wiedergabe bei Kopfhörerbetrieb) oder Akkus
  • Maße (LxBxH) 155 x 85 x 30 mm
  • Gewicht ohne Batterien: 200 g
  • Farbe Silber
  • inklusive 2 externe Mono-Ansteckmikrofone und USB-Kabel
  • 2 x Mignon-Batterien, kleiner Ohrhörer
  • separat erhältliches USB-Netzteil

Fazit

Das Gerät ist einfach und robust, hat allerdings in Sachen Handhabbarkeit Schwächen durch die pure Größe und die irgendwie immer etwas schwabbeliegen Gummi-Tasten. Die Aufnahmequalität der internen Mikrofone könnte klarer sein, allerdings werden externe Mikrofone mitgeliefert, deren Aufnahmequalität für meine Belange mehr als überzeugend ist.

Wenn man den Preis des Gerätes von deutlich unter 100 € bedenkt, bekommt man hinsichtlich Funktionalität und Beigaben (Mikrofone, Kopfhörer, USB-Kabel) eine ganze Menge geboten. Die Geräte der Konkurrenz kosten gleich das Doppelte oder Dreifache.

Für mich und meine Aufnahmen im Folk-Bereich ist das Gerät auch für längere Zeit eine befriedigende Lösung. Konkrete Aufnahmetests und einen Erfahrungsbericht werde ich Euch in einem kommenden Beitrag vorstellen.

  1. Catharina Neckelmann
    Februar 28th, 2009 at 10:42

    Ich würde gern den Bericht mir ausdrucken, kann es aber technisch im Moment nicht.
    Könnten Sie ihn mir mailen oder -gegen Erstattung der Kosten- zuschicken (Adresse: Catharina Neckelmann, Salzmannstrasse 15, 46397 Bocholt). Freundliche Grüße C.N.

  2. Andreas
    Mai 14th, 2009 at 20:44

    Vielen Dank für den tollen und ausführlichen Bericht.
    Die Informationen und Erfahrungen sind wirklich hilfreich.
    Schöne Grüße
    Andreas

  3. Tony
    Juni 2nd, 2009 at 23:49

    Das Gerät funktioniert gut, wird bei uns z.B. für den Gospelchor oder auch für die Flötengruppe eingesetzt. Jeder kommt schnell mit dem Gerät klar, auch die älteren Leute. Fazit: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältniss bei doch beachtlicher Aufnahmequalität.

  4. Johann
    September 11th, 2009 at 18:18

    Mich nerven die schwabbeligen Tasten schon sehr (eine davon klemmt bei mir) und bei der MP3-Aufnahme ist bei mir immer auch ein Störgeräusch drin. Auch weiß ich nach Druck auf “Aufnahme” nie, ob es nun geklappt hat oder nicht. Manchmal reagiert das Gerät arg verzögert, manchmal gar nicht. Die träge Software in Zusammenhang mit den Schwabbertasten ist der Schwachpunkt!

    Die Anmutung ist wie billiges Plastik-Spielzeug, erinnert mich an einen alten Gameboy. Insofern würde ich es mir nicht wieder kaufen, egal wie preislich attraktiv das Gerät sein mag und egal wie viel Zubehör dabei ist.

    Gruß
    Johann

  5. Sofie
    Oktober 15th, 2009 at 12:46

    ich möchte mich zuerst für die ausführliche Information bedanken.Ich habe das Gerät heute vor paar Minuten bestellt.Ich bin sehr sehr gespannt. Das Gerät soll der Fortsetzung meines Studiums helfen. Weil ich eine ausländische Studentin bin, kann ich nicht immer die Dotzenten und die Tutoren folgen. Während ich Notitzen mache, was ich verstanden habe,gehen die anderen Themen schon verloren,was mich sehr nervt.
    Also,ich hoffe,dass das Gerät mir hilft.
    Grüße
    Sofie

  6. david
    Januar 7th, 2010 at 16:43

    Wir haben das Gerät Anfang November 2009 gekauft. Es war von vornherein defekt. Auch das dann gelieferte Ersatzgerät war defekt – es stürzte beim Löschversuch der Aufnahmen ab, nahm außerdem auf, konnte aber nicht wiedergeben.
    Schließlich das 3. Gerät: Wir bekamen ein gebrauchtes Ersatzgerät geliefert, war ebenfalls defekt war – es zeichnete jeweils nur wenige Sekunden lang auf.
    Jetzt haben wir die Nase voll. Auch das billigste Gerät ist zu teuer, wenn es nicht funktioniert.

  7. bhikkhu
    Juli 26th, 2010 at 12:36

    Danke für das ausführliche Review, ich möchte allerdings ein paar Dinge hinzufügen.
    Das Gerät leistet dann, im Rahmen seiner Möglichkeiten, gute Arbeit, wenn es still liegt und nicht bewegt wird. Sollte es an der Oberfläche auf der es liegt hin- und herrutschen, oder jemand es in der Hand halten hört man auch das leiseste kratzen in der Aufnahme lauter, als das was man eigentlich aufnehmen wollte.

    Die Bedienung ist, auch wenn man sich an das fummelige Menü gewöhnt hat, umständlich und die Einstellungen gelten anscheinend immer nur für einen Track aber nie für den ganzen Ordner, was absolut hirnrissig ist, dadurch habe ich schon mal ungewollt wichtige Aufnahmen statt im WAV im MP3 Format gemacht.

    Die Qualität ist für ein Gerät seiner Preisklasse wahrscheinlich in Ordnung, es gibt aber ein relativ hohes Grundrauschen und mit lauten Geräuschen (etwa das eines vorbeifahrenden Zuges) kommt es, wenn man zu nahe steht überhaupt nicht zurecht; dasselbe kann einem, wie schon im oberen Review erwähnt, auch dann blühen, wenn man die Aufnahmelautstärke zu hoch einstellt.
    Ich habe das Swissonic MDR-2 für einige Kurzfilme verwendet, ärgere mich hin und wieder aber doch, dass ich kein besseres gekauft habe. Vor allem, da die mitgelieferten Ansteckmikrofone um einiges räumlicher Aufnehmen, als die, die am Gerät angebracht sind und darum jedes Störgeräusch ähnlich laut Aufnehmen wie Stimme (etwa das Brummen einer Filmkamera) zum anderen, da die Unmöglichkeit es in der Hand zu halten schlicht und ergreifend stört.
    Zum festhalten von Ideen für Musiker, oder als moderner Diktiergerätersatz ist es bestimmt geeignet (wenn auch für Viele wahrscheinlich zu teuer), für den Amateur- oder Semiprofessionellen Einsatz allerdings kaum.

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